Für uns ist Ausbildung die größte Chance, gute Leute zu bekommen
Interview mit Christopher Fabry, Kaufmännischer Leiter der Dümler Logistik & Transport GmbH
Die Unternehmensgruppe Dümler hat mehrere Standorte in Deutschland und insgesamt 570 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Am Standort Wunstorf arbeiten aktuell rund 145 Mitarbeiter, davon 3 Auszubildende im Büro, 16 Auszubildende zum Berufskraftfahrer und 5 Auszubildende im Lager. Insgesamt arbeiten im Unternehmen Menschen aus 25 verschiedenen Ländern, z.B. aus der Ukraine, Syrien, Guinea, Mali, Mosambik, Marokko oder von den Philippinen.
Christopher Fabry stellte am 04. März 2026 das Unternehmen und seine Ausbildungsaktivitäten beim Ausbildungsfrühstück in Wunstorf vor. Wir konnten ihn für ein ausführliches Interview gewinnen, denn das Unternehmen ist ein Beispiel guter Praxis, das auch für kleine und mittlere Unternehmen hilfreiche Anregungen und Ideen liefert.
Wir trafen Christopher Fabry zum Interview am Standort in Wunstorf und erhielten zudem einen Einblick ins Lager und die Aktivitäten des Unternehmens.
Die Dümler Logistik & Transport GmbH ist spezialisiert auf den Transport und das spezielle Handling von Haushaltsgroßgeräten und weiteren sensiblen Gütern namhafter Hersteller.
Herr Fabry, nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für eine Bewerberin oder einen Bewerber? Gibt es irgendwelche Ausschlusskriterien?
Grundsätzlich gibt es keine Ausschlusskriterien. Wir vereinbaren immer ein Praktikum oder Probearbeitstage, bevor wir uns entscheiden. Das wichtigste Kriterium für uns ist, dass die zukünftigen Azubis motiviert sind. Wichtig ist, dass die Jugendlichen vorher die Praxis und unser Team kennenlernen. Wir bilden schon lange aus, haben viele Azubis übernommen und sorgen bei Praktika dafür, dass die Praktikanten, z.B. bei den jüngeren Mitarbeitern mitfahren. Dafür fragen wir vor allem die Mitarbeiter, die wirklich Spaß daran haben, den Praktikanten etwas zu zeigen.
Für die meisten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen ist entscheidend, ob sie sich im Unternehmen wohlfühlen, und wir wollen sie da abholen, wo sie stehen. Außerdem ist vielen wichtig, dass sie nicht so weit zur Ausbildung fahren müssen, so dass wir die meisten aus Wunstorf oder dem Umland gewinnen.
Wie und wo finden Sie Ihre Auszubildenden?
Wir sind auf allen Berufsmessen an den Schulen in Wunstorf vertreten, aber auch in Hannover, z.B. bei Messen vom Jobcenter. Dort sind meistens ältere Bewerber, die aber oft auch Gründe haben, warum sie sich jetzt erst um eine Ausbildung bemühen.
Wir arbeiten mit den Schulen zusammen, etwa mit der Otto-Hahn-Schule und der Oskar-Kämmer-Schule und bieten Schülerpraktika oder Exkursionen in unseren Betrieb an. Dann lernen die Jugendlichen den Betrieb kennen und können z.B. in bisschen Stapler fahren und Kisten stapeln. Das macht den meisten Spaß, und zwar nicht nur den Jungen, auch die Mädchen haben Interesse.
Zudem sind wir sehr aktiv in den sozialen Medien wie Instagram, um die Jugendlichen auch da abzuholen. Die Beiträge in den sozialen Medien sind meist praktische Beispiele aus dem Arbeitsalltag, z.B. wie entladen wir einen LKW. Viele Filme machen auch unsere Azubis https://www.instagram.com/duemlerlogistiktransport. Außerdem machen wir Exkursionen mit den Auszubildenden z.B. nach Hamburg zum Containerterminal Altenwerder oder zu Produktionswerken für Kühlschränke oder Waschmaschinen. Und wir machen Familienausflüge für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Schließlich rekrutieren wir über unsere eigenen Mitarbeiter oder über andere Auszubildende.
Während der Ausbildung halten wir viel Kontakt mit den Lehrkräften der Berufsschule und gehen zu den Ausbildersprechtagen. Manchmal sind die Azubis bei der Arbeit super, aber in der Berufsschule haben sie Probleme. Das ist wichtig zu wissen und sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten.
Im Betrieb fragen wir die Auszubildenden regelmäßig, wie es so läuft in der Berufsschule und ob sie weitere Unterstützung brauchen. Bei Bedarf nutzen die Auszubildenden die Nachhilfeangebote der Berufsschule, z.B. der BBS Burgdorf, die Berufskraftfahrer ausbildet. Sie bietet an der Schule direkt Nachhilfe nach dem Unterricht an. Das hilft auch den neuzugewanderten Auszubildenden, z.B. aus der Ukraine. Wichtig ist, egal ob deutscher Azubi oder mit Migrationshintergrund oder Azubi über die Fachkräfteeinwanderung – neue Auszubildende brauchen einen Kümmerer!
Wie gehen Sie mit Vielfalt um? Gibt es zum Beispiel bestimmte Werte und Regeln im Unternehmen, die sich auf die Zusammenarbeit beziehen?
Wir haben Regeln festgeschrieben, aber wichtig ist, dass sie gelebt und auch durchgesetzt werden.
Dabei ist Respekt voreinander die wichtigste Regel. Wir nehmen Rücksicht, z.B. wenn einige Mitarbeiter Ramadan haben und nicht trinken können und dadurch vielleicht nicht so leistungsfähig sind. Dafür muss aber jeder Mitarbeiter etwas in den Topf schmeißen, also auch etwas beitragen.
Wir hatten auch schon einen Auszubildenden, der hatte Probleme mit Anweisungen von Frauen, das Ausbildungsverhältnis haben kurzfristig beendet. Diese Dinge diskutieren wir nicht, da gibt es keine zwei Meinungen. Dazu gehören auch politische Dinge, etwa wenn jemand rechtsextrem ist, ausländerfeindlich oder frauenfeindlich. Das funktioniert nicht und können wir nicht tolerieren.
Wie profitieren Sie von der Vielfalt, was sind die Chancen für Ihr Unternehmen?
Grundsätzlich sind unsere Ausbildung und die Integration ins Unternehmen eine Erfolgsgeschichte. Viele Dinge funktionieren, von denen wir dachten, das geht nicht. Aber die Zusammenarbeit über alle Unterschiede hinweg klappt gut. Aber dafür ist auch ein Punkt entscheidend: Wir hatten in den letzten Jahren ein starkes Personalwachstum und konnten dieses „Mindset“ gut etablieren. Wir haben die Leute entsprechend ausgewählt und hier ausgebildet. Die Logistik war auch schon immer „multikulti“, viele Zugewanderte fangen in der Logistik an, denn wir haben viele der sogenannten „Blaumannjobs“ und können schnell einen Einstieg in die Arbeitswelt bieten.
Ein Mitarbeiter von uns war z.B. in der Heimat Lehrer. Seine Qualifikation wurde aber hier nicht anerkannt und er arbeitet jetzt bei uns im Lager. Er ist sehr motiviert und auch jemand, der gerne den Neuen etwas beibringt. Für uns ist Ausbildung ganz klar, die größte Chance gute Leute zu bekommen. Dafür ist es auch wichtig, Perspektiven aufzuzeigen, damit die Leute sehen, wohin sie sich entwickeln können. Unser Ziel ist, dass die Azubis bleiben, wir wollen sie behalten, weil wir viel investiert haben.
Was wünschen Sie sich als Unterstützung bei der Suche nach passenden Auszubildenden und auch vor oder während der Ausbildung?
Die Suche läuft, da machen wir viel und es gibt auch viel. Ich weiß nicht, ob man da noch mehr machen kann. Wichtig ist, die Angebote breit zu streuen, Praktika anzubieten usw.. Und für die Zeit während der Ausbildung muss man den Auszubildenden und den Unternehmen auch sagen, welche Unterstützungsangebote es gibt. Meiner Meinung nach machen die Gymnasien aber zu wenig Berufsorientierung. Ich finde es wichtig, dass alle Schüler kennenlernen, was es eigentlich gibt. Es gibt supertolle Mittelständler oder Handwerksbetriebe und wir müssen aufpassen, dass die nicht hinten runterfallen. Nicht alle, die Abitur machen, wollen direkt studieren. Ich selbst habe auch erst eine Ausbildung nach dem Abi gemacht und hatte das Problem, nicht zu wissen, welche Ausbildungen bei welchen Unternehmen möglich sind.
Innerhalb der Ausbildung gibt es zu viele bürokratische Hürden, vor allem für die Geflüchteten. Wir haben z.B. zwei Flüchtlinge hier, die bei uns die Ausbildung gemacht haben und seit fast drei Jahren fest bei uns arbeiten. Sie kommen jeden Tag zuverlässig zur Arbeit und man sollte sie absolut in Ruhe lassen. Aber beide bekommen ständig neue Forderungen der Ausländerbehörde für die Verlängerung des Aufenthaltstitels. Das könnte man vereinfachen, indem man z. B. ab und zu beim Unternehmen nachfragt, ob die Person dort noch arbeitet, dann sollten sie automatisch einen Aufenthaltstitel bekommen. Auch für die Mitarbeiter in der Ausländerbehörde ist das Ganze eine Belastung.
Am schlimmsten ist die Bürokratie bei den Mitarbeitern, die wir aus Drittländern zu uns holen wollen. Wir haben immer die Vorstellung, alle wollen unbedingt nach Deutschland, aber eigentlich ist es so: Das Wetter ist schlecht, die Sprache ist schwierig und wir haben eine riesige Bürokratie. Wir haben z.B. Azubis aus Marokko ins Unternehmen geholt. Bis sie bei uns im Unternehmen in Deutschland waren, dauerte es neun Monate. Bei der Bürokratie und Dauer der Verfahren müssen wir aufpassen, dass die Arbeitskräfte nicht in andere Länder gehen. In Großbritannien ist das Verfahren viel schneller, auch in Italien dauert es nur vier Wochen. Wir stehen doch als deutsche Unternehmen im Wettbewerb um die Arbeitnehmer mit den Unternehmen aus anderen europäischen Ländern.
In Deutschland prüfen mehrere Behörden den gleichen Vorgang, ohne sich wirklich abzustimmen. Und dieses System kostet unfassbar viel Geld. Das müsste zentral organisiert und digitalisiert werden und wesentlich schneller gehen. Es wird immer gesagt, wir wollen Bürokratie abbauen, aber in der Realität sieht es anders aus.
Ein anderes Beispiel sind unsere Mitarbeiter aus Syrien, von denen wir hoffen, dass sie hierbleiben. Sie sprechen sehr gut Deutsch und sind gut ausgebildet. Wir verlieren Wirtschaftskraft, wenn wir diese Leute nicht mehr haben. Oder ein allgemeines Beispiel: Berufskraftfahrer aus der Ukraine wurden in Polen als LKW-Fahrer eingestellt. In Deutschland dürfen sie nicht fahren und müssten erst einen deutschen Führerschein machen. Jetzt fahren sie für polnische Unternehmen in Deutschland.
Da würde ich mir wünschen, dass wir flexibler und schneller werden.
Herr Fabry, herzlichen Dank für das Gespräch und die vielen Einblicke ins Unternehmen und Ihre Arbeit!