Die Vielfalt im Unternehmen gestalten

Eine erfolgreiche Ausbildung ist an verschiedene Faktoren geknüpft. Sind geeignete Auszubildende gefunden, gilt es, sie optimal in den betrieblichen Alltag einzubinden, damit der Lerneffekt hoch ist. Und auch der Umgang mit Problemen sollte geregelt sein. Hier ein paar Tipps zu diesem Themenfeld.

Vor der Ausbildung

Damit sich die neuen Auszubildenden schon vor der Ausbildung willkommen und gut vorbereitet fühlen, können Sie ein paar einfache Dinge tun. Schreiben Sie Ihnen kurz vor dem Start, dass Sie sich auf sie freuen und von wem sie am ersten Tag in Empfang genommen werden. Informieren Sie sie auch, in welchem Bereich sie zuerst eingesetzt werden und z.B. welche Kleidung passend ist. Laden Sie die Jugendlichen schon vor Beginn der Ausbildung zu Betriebsfeiern ein. Bieten Sie den Jugendlichen an, sich jederzeit bei Ihnen zu melden, wenn sie noch Fragen haben vor dem Ausbildungsbeginn.

„Seien Sie offen und entwickeln Sie Verständnis für andere. Sie bekommen neue Impulse und Ideen.“

Marcus Böhm, Geschäftsführer Böhm Güterverkehr GmbH, Langenhagen

Mentoring

Legen Sie für die Auszubildenden Mentor*innen im Unternehmen fest, die bei Fragen oder Problemen weiterhilft. Oft bieten sich dafür erfahrene ehemalige Auszubildende an. Stellen Sie den Auszubildenden diese Person gleich am ersten Tag vor. Vereinbaren Sie, dass sich Mentor*in und Auszubildende*r regelmäßig und bei Bedarf miteinander austauschen. Ermutigen Sie beide, auch dann miteinander zu sprechen, wenn es keine Probleme gibt.

„Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund sind in der Praxis sehr gut und engagiert. Viele wollen auch mehr und aufsteigen.“

Anja Hädrich, Ausbildungsleiterin der Edeka Cramer GmbH, Burgdorf

Zum Start

Fragen Sie die jungen Menschen gleich zu Beginn der Ausbildung nach ihrem Wissensstand und ihren Stärken. Stimmen Sie mit den Auszubildenden individuell ab, wie Sie als Unternehmen unterstützen können. Eine Einstiegsqualifizierung mit begleitendem Sprachkurs bereitet gut auf eine Ausbildung vor. Die Einstiegsqualifizierung ist ein sozialversicherungspflichtiges Praktikum. Mehr Informationen dazu finden Sie unter Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten.

Bringen Sie auch etwas über die individuelle Lebenssituation der Auszubildenden in Erfahrung. Sollten sie einen Antrag auf Berufsausbildungsbeihilfe stellen? Klären Sie, ob es zu Hause eine Möglichkeit gibt am PC zu arbeiten und in Ruhe zu lernen.

Sagen Sie den Auszubildenden, welche Erwartungen Sie an sie haben. Fragen Sie aber auch nach deren Erwartungen an die Ausbildung und die Zusammenarbeit. Wenn Sie feste Regeln für die Sicherheit, die Zusammenarbeit, den Umgang mit Kund*innen etc. im Betrieb vereinbart haben, erklären Sie den Auszubildenden diese Regeln gleich zu Beginn. Viele Jugendliche haben zum Teil noch keine Erfahrungen mit der betrieblichen Arbeitswelt und kennen die Regeln und Anforderungen wenig. Erläutern Sie die Erfordernisse des Betriebes und begründen Sie, warum die Regeln notwendig sind.

Erklären Sie auch die unausgesprochenen Regeln, die vielleicht selbstverständlich erscheinen. So vermeiden Sie Missverständnisse. Zeigen Sie auch Grenzen auf, sowohl den Auszubildenden als auch allgemein gegenüber allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Respektlosigkeit und intolerantes Verhalten werden nicht akzeptiert.

„Was ich Betrieben empfehlen würde, die noch nie Jugendliche mit Migrationshintergrund ausgebildet haben? Machen!“

Alexander Wendt, Prokurist der KLH Kabel- und Leitungsbau GmbH, Lehrte

Regelmäßiges Feedback

Fördern Sie die Feedback-Kultur im Unternehmen, indem Sie die Auszubildenden auffordern zu sagen, was ihnen an der Ausbildung gefällt und was sie ändern würden. Geben Sie den Auszubildenden regelmäßig unterstützendes Feedback. Ermutigen Sie die Auszubildenden, sich bei Bedarf auch mit persönlichen Problemen an Sie zu wenden. Sie können zwar nicht immer helfen, es ist aber oft wichtig, Bescheid zu wissen.

Wenn das Ausbildungsziel gefährdet ist, halten Sie Kontakt mit der Berufsschule und beraten Sie mit den Lehrkräften, wie Sie noch weitere Unterstützung organisieren können. Bei fachlichen Defiziten vereinbaren Sie mit der/dem Auszubildenden, bei der Agentur für Arbeit Unterstützung zu beantragen, z.B. eine Assistierte Ausbildung.

Klären Sie, ob es bei Ihnen vor Ort die Möglichkeit der ehrenamtlichen Unterstützung von Auszubildenden gibt. Bundesweit vertreten ist die Initiative VerA, die jungen Menschen bei Problemen in der Ausbildung hilft. Sie kümmern sich um Konflikte im Ausbildungsbetrieb, helfen bei der Bewältigung von schulischen Problemen und Prüfungsstress oder verbessern die Selbstorganisation der Auszubildenden. Bei Sprachdefiziten fragen Sie in der Berufsschule nach Sprachfördermaßnahmen. Viele Berufsschulen bieten begleitende Sprachkurse für Auszubildende an, manchmal auch die Kammern.

Bei Konflikten zwischen Auszubildenden und anderen Kolleg*innen im Team, versuchen Sie, mit allen Beteiligten eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Dabei gibt es keine Lösung, die für alle passt, denn jede Situation und jeder Mensch ist anders.

„Holen Sie das ganze Team ab, sprechen Sie über die Chancen und Sorgen. Was könnte passieren und wie gehen wir damit um?“

Timo Weymann, Geschäftsführer der Karl Weymann GmbH, Lehrte

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