Beispiele guter Praxis

An dieser Stelle möchten wir auf Beispiele guter Praxis hinweisen, die Multiplikatorinnen und Multiplkatoren bei ihrer Beratungs- und Unterstützungsarbeit im Kontext Ausbildung und Migration einsetzen können.

Mehrsprachige Ausbildungsvideos

Im Projekt „Digital orientiert – Erfolg in Deutschland durch Ausbildung“ wurden Videos für die Zielgruppe Neuzugewanderte in vielen verschiedenen Sprachen erstellt: Deutsch, Spanisch, Türkisch, Albanisch, Ukrainisch, Russisch, Arabisch, Niederländisch, Vietnamesisch und Portugiesisch. Sie behandeln Themen wie die Einstiegsqualifizierung, assistierte Ausbildung und Informationen zur Ausbildung in unterschiedlichen Berufen. 

Die Videos sind hier abrufbar.

Das gemeinsame Projekt der IHK und der HWK Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim verfolgte das Ziel, junge Zugewanderte und ihre Eltern durch gezielte und innovative Ansprache für eine duale Ausbildung zu interessieren.

Klischeefrei - Initiative zur Berufs- und Studienwahl

Die Initiative Klischeefrei engagiert sich für eine Berufs- und Studienwahl frei von gängigen Rollen- und Geschlechterklischees. Mit ihren umfangreichen Angeboten wendet sich die Initiative dazu an alle, die Kinder und Jugendliche begleiten. 

In ihrer Infothek finden sich zahlreiche Studien, Fachbeiträge, Arbeitsmaterialien, Praxisleitfäden, einschlägige Portale und Apps rund um das Thema klischeefreie Berufs- und Studienwahl. 

Zu den umfangreichen Angeboten für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zählen unter anderem Methodensets, Themendossiers, Workshops und Fachtagungen. 

In-Ausbildung und Ausbildung mit Schleife

Ein häufiger Grund für Ausbildungsabbrüche oder auch ein Scheitern in den Prüfungen am Ende der Ausbildung sind unzureichende Sprachkenntnisse. Um dies frühzeitig zu verhindern und die Auszubildenden zu unterstützen, hat das Bildungsbüro der Region Hannover, gemeinsam mit drei Berufsbildenden Schulen, der IHK Hannover und der HWK Hannover, das Innovationsvorhaben „In-Ausbildung“ umgesetzt.

„In-Ausbildung“ ist am 01. August 2024 gestartet und auf drei Jahre angelegt. Zu Beginn des ersten Ausbildungsjahres wird der Sprachstand der Auszubildenden überprüft. Bei einem Sprachniveau unterhalb von B2 haben sie dann die Möglichkeit, an Berufssprachkursen teilzunehmen, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert und über Bildungsträger umgesetzt werden. Sollte der Sprachstand nach dem ersten Ausbildungsjahr noch nicht ausreichend sein, können die Auszubildenden das erste Ausbildungsjahr wiederholen. Praktisch wird das Vorhaben wie folgt umgesetzt:

Erstes Ausbildungsjahr:

  • Berufsbezogener Berufsschulunterricht im Klassenverband einmal wöchentlich
  • zwei Tage praktische Erfahrung im Ausbildungsbetrieb
  • zwei Tage berufsbezogener Sprachunterricht mit mindestens 12 Unterrichtseinheiten

Zweites Ausbildungsjahr (i.d.R. Wiederholung des ersten Ausbildungsjahres, Verlängerung der Ausbildung)

  • Unterricht in den Regelklassen nach Plan
  • Nach Bedarf zusätzlich Sprachförderung durch Berufssprachkurse mit mindestens 4 Unterrichtseinheiten
  • Assistierte Ausbildung (AsA flex) – sozialpädagogische Unterstützung und Nachhilfe gegen Ausbildungsabbruch

“Mit diesem innovativen Vorhaben bieten wir einen Lösungsansatz, um möglichst vielen jungen Menschen den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung zu ermöglichen und den Unternehmen zu helfen, ihre Nachwuchskräfte erfolgreich zu qualifizieren.”, so Desislava Tzvetkova-Gerken, Bildungskoordinatorin der Region Hannover.

Eines dieser Unternehmen ist die Calenberger Backstube in der Region Hannover. Kai Oppenborn, Geschäftsführer des Unternehmens und Vorstand der Bäcker-Innung der Region Hannover, hat das Projekt “Ausbildung mit Schleife“ mit initiiert. „Ausbildung mit Schleife“ wurde im Rahmen der Innovationsvorhaben IN-Ausbildung entwickelt und ist ein Modellprojekt der Bäcker-Innung, der Handwerkskammer Hannover, der BBS 2 Hannover und dem Bildungsbüro der Region Hannover.

“Wir haben viele motivierte junge Leute aus dem Ausland, die wir brauchen und die Lust auf unsere Berufe haben. Das Praktische funktioniert super, aber wenn es dann auf die Prüfungen und das Theoretische zugeht, verlieren wir leider viele von ihnen, weil die Sprachbarrieren zu hoch sind“, meint Oppenborn.

Seit Anfang August 2024 läuft das Projekt nun. Für 14 Auszubildende aus dem Bäckerhandwerk aus unterschiedlichen Betrieben ging es mit einem vorbereitenden fachlich ausgerichteten Sprachkurs los. Dafür wurden die Auszubildenden von den Betrieben freigestellt. Anfang September hat für alle Teilnehmenden der normale Alltag in Betrieb und Berufsschule begonnen. Seitdem nehmen die Auszubildenden an einem weiteren Tag in der Woche am Sprachförderunterricht am Lernort Schule teil, wofür die Betriebe ihre Azubis ebenfalls freistellen. Nach dem 1. Ausbildungsjahr wird ein erstes Fazit gezogen. „Mit einem Sprachtest wird dann wieder geprüft, ob sich das Sprachniveau verbessert hat und wir eine Schleife darum machen können. Sollte dies nicht der Fall sein, kann das Ausbildungsjahr wiederholt werden, also noch eine Schleife gedreht werden“, erläutert Oppenborn die Zweideutigkeit des Projektnamens.

Für weitere Informationen zu den Innovationsvorhaben Sprachbildung wenden Sie sich gerne an Dina de Haas, KAUSA-Landesstelle Niedersachsen Region Hannover, E-Mail-Adresse: d.dehaas@proregioev.de.