Berichte aus der Arbeit der KAUSA-Landesstelle Niedersachsen

KAUSA-Veranstaltungsreihe Impuls & Dialog:
„Berufliche Orientierung für neuzugewanderte Jugendliche an Berufsbildenden Schulen“

Am 11. Juni fand das erste online Austauschformat der Veranstaltungsreihe „Impuls & Dialog“ der KAUSA-Landesstelle statt. Ziel der Reihe ist es, über gute Praxisbeispiele und Erfahrungen im Kontext „Ausbildung und Migration“ ins Gespräch zu kommen. In der ersten Veranstaltung ging es dabei um Angebote zur beruflichen Orientierung für Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte an Berufsbildenden Schulen. Denn neuzugewanderte Jugendliche stehen auch in der Beruflichen Orientierung vor besonderen Herausforderungen: Sprachbarrieren, ein weitgehend unbekanntes Berufsbildungssystem und oft zu wenig berufliche Orientierung vor dem Besuch der Berufsbildenden Schule.

Als erster stellte Dirk Becker, pädagogische Fachkraft an der Heinrich-Büssing-Schule, Braunschweig vor, wie an seiner Schule die Einbindung der Einstiegsqualifizierung in der Praktikumsklasse der Berufseinstiegsschule gelingt.

Mayra Brenner & Alina Paul, Projektverantwortliche im Bildungshaus der Volkshochschule Wolfsburg berichteten von ihren Erfahrungen mit einem Angebot zur beruflichen Orientierung speziell für die Zielgruppe der Neuzugewanderten, das ihnen die Möglichkeit gibt, sich praktisch auszuprobieren.

Am Schluss stellte die KAUSA-Landesstelle ihre Angebote vor, vom Paket Wege in den Beruf, über das Speeddating und die KAUSA-Lernwerkstatt. Die neue, mobile Lernwerkstatt für Berufseinstiegsschulen enthält exemplarische Praxisaufgaben aus Berufsfeldern wie Handwerk und Technik, Pflege und Erziehung, Handel, Logistik oder Gastronomie. Nach dem Ausprobieren können sich die Teilnehmenden in kleiner Runde vertiefend mit den Einstiegsmöglichkeiten in den Wunschbereich auseinandersetzen. Zahlreiche Berufsbildende Schulen hatten Interesse am Einsatz der Lernwerkstatt, so dass die KAUSA-Landesstelle in die Planung einsteigen wird, wie Konzept und Material unkompliziert weitergegeben werden können.

Insgesamt beteiligten sich 68 Lehr- und Beratungskräften aus Berufsbildenden Schulen, Fachkräfte aus Projekten, Volkshochschulen, Jobcenter, städtischer und kommunaler Verwaltung sowie dem MigrantenElternNetzwerk am Austausch. Die Organisatorin vom KAUSA-Standort Region Hannover, Dina de Haas, freut sich über das große Interesse: „Wir werden das Thema weiter vertiefen. Es gibt so viele gute Projekte und Formate, die sicher auch bei anderen Schulen auf Interesse stoßen.“

Eine weitere Veranstaltung Impuls & Dialog ist für den Herbst 2026 geplant. Das Thema steht noch nicht fest.

Workshop für zugewanderte Frauen: Ausbilderin werden – Wie geht das? 

Ein Orientierungsworkshop für zugewanderte Frauen:

Ausbildungssystem verstehen und Perspektive als Ausbilderin entdecken

Gemeinsam mit Ayten Berse, Leitung und Beratung Koordinierungsstelle Frau und Beruf sowie Mila Marinova, Beratung Koordinierungsstelle Frau und Beruf hat die KAUSA-Landestelle Niedersachsen in Kooperation diesen Orientierungsworkshop für zugewanderte Frauen umgesetzt.

Die Koordinierungsstelle Frau und Beruf Region Hannover (www.frau-und-beruf-hannover.de) wird gefördert aus Mitteln des Landes Niedersachsen und der Europäischen Union.

Am 15.04.2026 fanden sich in Präsenz im Hause der Wirtschaftsförderung in Hannover sechs hoch motivierte und engagierte Frauen ein.

Sechs Frauen, sechs berufliche Werdegänge. Aus sechs Ländern (Afghanistan, Bulgarien, Indonesien, Kolumbien, Libanon und Russland), im Alter zwischen 29 Jahren und 38 Jahren, einige alleinerziehend, zwischen 2 Jahren bis 20 Jahren in Deutschland lebend, mit unterschiedlichen beruflichen Ausgangslagen aus ihren jeweiligen Herkunftsländern von A wie arabische Literatur bis Z wie Zahnmedizin mit bzw. ohne Berufspraxis, mit (teil-)anerkannten Abschlüssen sowie (zusätzlich) in Deutschland studiert mit bzw. ohne Abschluss.

In wertschätzend-lockerer Runde wurde ein Überblick über das Ausbildungssystem in Deutschland gegeben. Dabei berufliche Möglichkeiten individuell in den Blick genommen, mit praktischen Tipps flankiert und Chancen einer Ausbildung für den beruflichen Weg aufgezeigt. Verschiedene Ausbildungsberufe aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Handwerk, IT und Wirtschaft wurden beleuchtet.

Zudem wurde über die Weiterbildung zur Ausbilderin informiert und welche neuen Perspektiven sich als Ausbilderin auf dem Arbeitsmarkt eröffnen.

In einem offenen Miteinander wurden viele Fragen gestellt und Erfahrungen geteilt.

Am Ende des Workshops wurden bei der Frage „Was nehme ich heute für mich mit?“ folgende Rückmeldungen mündlich im Plenum genannt:

„Neue Informationen bekommen“

 „Gemeinsam voneinander lernen“

 „Sich austauschen und vernetzen“

 „Erleben, dass sich andere in einer ähnlichen Lebensphase befinden“

 „Hören, wie es andere gemacht haben“

 „Ich habe heute Klarheit über meinen beruflichen Weg bekommen und weiß, was mein nächster Schritt ist“

Symbolbild Workshop, KI generiert

Angebote der KAUSA-Landesstelle zur Berufsorientierung bei der Bildungswerkstatt Braunschweig

Am 18. März konnte die KLN bei der Bildungswerkstatt Braunschweig ihre Angebote zur Berufsorientierung vorstellen. An der Bildungswerkstatt „Hello Future! Impulse für eine starke Berufsorientierung“ nahmen ca. 100 interessierte Lehr- und Beratungskräfte und andere Akteure im Themenfeld Übergang Schule-Beruf teil.

Im Workshop „Hello Network! Von gelungenen Kooperationen lernen. Neue Kooperationen aufbauen“ stellten Yvonne Salewski und Dina de Haas das Paket Wege in den Beruf, das KAUSA-Speeddating an Berufseinstiegsschulen und die neu entwickelte KAUSA-Lernwerkstatt vor. Im Anschluss konnten sich Interessierte am KAUSA-Stand informieren, Material gleich mitnehmen oder weitere Kontakte knüpfen. 

Die neu entwickelte KAUSA-Lernwerkstatt wird derzeit noch an verschiedenen Berufseinstiegsschulen mit einem hohen Anteil an neuzugewanderten Jugendlichen erprobt. Die Praxisaufgaben sind sprachlich und methodisch an die Zielgruppe angepasst, und haben das Ziel, die eigenen Stärken und Vorlieben kennenzulernen. Sie sind aufgeteilt in Berufe aus Handel, Logistik, Gastronomie, Lebensmittelhandwerk, Erziehung, Gesundheit, Handwerk und Technik. Die Jugendlichen probieren sich an allen Praxisaufgaben aus und entscheiden anschließend, welches Berufsfeld sie vertiefen möchten. In Gruppenarbeit ordnen sie dann die Ausbildungsberufe den passenden Bildercollagen zu und erhalten dabei jeweils weiterführende Informationen zu den Berufen und den Zugangsmöglichkeiten. 

Niedersachsen packt an – KAUSA-Landesstelle Niedersachsen beim Markt der Ideen

Die KAUSA Landesstelle Niedersachsen präsentierte sich am 19.02.2026 auf der Fachkonferenz des Bündnisses „Niedersachsen packt an“ in Hannover. Unter dem Motto „Demokratie braucht…“ kamen zahlreiche Akteure aus Politik und Gesellschaft zusammen, um über Integration und den Schutz demokratischer Werte zu sprechen.

Die Veranstaltung wurde vom Ministerpräsidenten Olaf Lies eröffnet. Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, Key Speaker der Veranstaltung, erinnerte daran, dass Demokratie nicht selbstverständlich sei. Demokratie gelinge nur in einem gemeinsamen Miteinander, indem jede einzelne Bürgerin und jeder einzelne Bürger sich als Citoyen begreift und aktiv Demokratie lebt. 

Das Bündnis „Niedersachsen packt an“ feierte dabei sein zehnjähriges Bestehen als zentrale Plattform für die Integration geflüchteter Menschen.

Am Stand der KAUSA-Landesstelle Niedersachsen fanden zahlreiche Gespräche zu den Themen Integration und berufliche Bildung statt.

Die KAUSA-Landesstelle Niedersachsen wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Initiative Bildungsketten. Zudem wird sie durch Mittel des Landes Niedersachsen unterstützt.

Das Team der KAUSA-LAndesstelle Niedersachsen am Messestand auf dem Markt der Ideen.
Foto: KAUSA-Landesstelle Niedersachsen

Landesweites Online-Netzwerktreffen zur beruflichen Ausbildung junger Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund

Mehr Abschlüsse – weniger Abbrüche. Gemeinsam Gelingensfaktoren identifizieren

Am 25. Juni 2025 fand das landesweite Online-Netzwerktreffen der KAUSA-Landesstelle Niedersachsen statt. Insgesamt 32 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft, Bildung, Kammern, Agentur für Arbeit, Jobcenter und Migrantenselbstorganisationen kamen zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen und Gelingensfaktoren in der beruflichen Ausbildung junger Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund auszutauschen.

Den Auftakt bildete ein wissenschaftlicher Impuls von Dr. Katharina Wehking (Universität Osnabrück, Berufs- und Wirtschaftspädagogik). In ihrem Vortrag beleuchtete sie Übergänge in Ausbildung sowie Ursachen für Ausbildungsabbrüche bei jungen Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Besonders Geflüchtete stünden vor komplexen Herausforderungen: Ein unsicherer Aufenthaltsstatus führe zu extrem pragmatischen Berufswahlentscheidungen unter Zeit- und Handlungsdruck, hinzu kämen zusätzliche zeitliche Belastungen durch Sprachkursbesuche, fehlende soziale Netzwerke sowie allgemeine und rechtliche Informationsdefizite und Unsicherheiten. Insgesamt fehle es an einer systematischen, verlässlichen Unterstützung durch Haupt- und Ehrenamtliche entlang der gesamten Prozesskette – diese sei zu oft von Zufällen abhängig.

Dr. Wehking stellte zudem das partizipative Forschungsprojekt FEMPower vor. Dies zielt darauf ab, die Ausbildungsbeteiligung geflüchteter Mädchen und Frauen zu erhöhen, deren Erwerbs- sowie Ausbildungsbeteiligung bisher relativ gering sei. Gründe für ihre geringe Beteiligung seien stereotype Annahmen gegenüber den Berufseinstellungen Geflüchteter, kulturelle Zuschreibungen sowie Genderstereotypisierungen. Durch die partizipative Entwicklung neuer Handlungsansätze und gezielter Trainingsprogramme soll der Erfolg geflüchteter Frauen in der Berufsbildung nachhaltig gestärkt werden.

Aus der Praxis präsentierte Kai Oppenborn, geschäftsführender Gesellschafter der Calenberger Backstube und Vorstand der Bäcker-Innung Region Hannover, das Modellprojekt „Ausbildung mit Schleife“. Das Projekt wurde im Rahmen der Innovationsvorhaben IN-Ausbildung entwickelt und ist ein Modellprojekt der Bäcker-Innung, der Handwerkskammer Hannover, der BBS 2 Hannover und des Bildungsbüros der Region Hannover.

Ziel des Projektes ist es, Ausbildungsabbrüche aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse zu vermeiden. Auszubildende mit geringen Deutschkenntnissen erhalten begleitend zur Ausbildung einen fachlich ausgerichteten Sprachkurs, für den sie von ihren Betrieben freigestellt werden. Besonders für kleine Ausbildungsbetriebe sei eine Sprachförderung am Lernort Berufsschule relevant, da die Betriebe oft weniger Kapazitäten für individuelle Unterstützung haben. Kai Oppenborn betonte, wie wichtig es sei, motivierte junge Menschen durch gezielte Sprachförderung zu unterstützen – insbesondere im Hinblick auf die theoretischen Anforderungen und Abschlussprüfungen.

Im weiteren Verlauf des Netzwerktreffens wurden in zwei Arbeitsgruppen zentrale Themen wie Sprachförderung vor und während der Ausbildung, die Rolle berufsbildender Schulen, Heterogenität in den Schulklassen sowie die Bedeutung sprachsensiblen Fachunterrichts diskutiert. Auch strukturelle Fragen im dualen Ausbildungssystem, die Rolle von Beratung und Elternarbeit sowie eine klischeefreie Berufsorientierung wurden eingehend besprochen.

Die vielfältigen Beiträge des Netzwerktreffens bieten wertvolle Impulse für die zukünftige Arbeit der KAUSA-Landesstelle Niedersachsen.

Dazu zählen insbesondere strukturunterstützende Maßnahmen für zugewanderte Frauen. Ziel ist es, bestehende Potenziale dieser Zielgruppe besser auszuschöpfen und die Integration in den Arbeitsmarkt durch Ausbildung zu fördern. Geplant ist hierfür die gezielte Anpassung bestehender Instrumente – beispielsweise das Format der KAUSA-Ausbildungsbotschafterinnen.

In-Ausbildung und Ausbildung mit Schleife

Ein häufiger Grund für Ausbildungsabbrüche oder auch ein Scheitern in den Prüfungen am Ende der Ausbildung sind unzureichende Sprachkenntnisse. Um dies frühzeitig zu verhindern und die Auszubildenden zu unterstützen, hat das Bildungsbüro der Region Hannover, gemeinsam mit drei Berufsbildenden Schulen, der IHK Hannover und der HWK Hannover, das Innovationsvorhaben „In-Ausbildung“ umgesetzt.

„In-Ausbildung“ ist am 01. August 2024 gestartet und auf drei Jahre angelegt. Zu Beginn des ersten Ausbildungsjahres wird der Sprachstand der Auszubildenden überprüft. Bei einem Sprachniveau unterhalb von B2 haben sie dann die Möglichkeit, an Berufssprachkursen teilzunehmen, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert und über Bildungsträger umgesetzt werden. Sollte der Sprachstand nach dem ersten Ausbildungsjahr noch nicht ausreichend sein, können die Auszubildenden das erste Ausbildungsjahr wiederholen. Praktisch wird das Vorhaben wie folgt umgesetzt:

Erstes Ausbildungsjahr:

  • Berufsbezogener Berufsschulunterricht im Klassenverband einmal wöchentlich
  • zwei Tage praktische Erfahrung im Ausbildungsbetrieb
  • zwei Tage berufsbezogener Sprachunterricht mit mindestens 12 Unterrichtseinheiten

 

Zweites Ausbildungsjahr (i.d.R. Wiederholung des ersten Ausbildungsjahres, Verlängerung der Ausbildung)

  • Unterricht in den Regelklassen nach Plan
  • Nach Bedarf zusätzlich Sprachförderung durch Berufssprachkurse mit mindestens 4 Unterrichtseinheiten
  • Assistierte Ausbildung (AsA flex) – sozialpädagogische Unterstützung und Nachhilfe gegen Ausbildungsabbruch

 

“Mit diesem innovativen Vorhaben bieten wir einen Lösungsansatz, um möglichst vielen jungen Menschen den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung zu ermöglichen und den Unternehmen zu helfen, ihre Nachwuchskräfte erfolgreich zu qualifizieren.”, so Desislava Tzvetkova-Gerken, Bildungskoordinatorin der Region Hannover.

Eines dieser Unternehmen ist die Calenberger Backstube in der Region Hannover. Kai Oppenborn, Geschäftsführer des Unternehmens und Vorstand der Bäcker-Innung der Region Hannover, hat das Projekt “Ausbildung mit Schleife“ mit initiiert. „Ausbildung mit Schleife“ wurde im Rahmen der Innovationsvorhaben IN-Ausbildung entwickelt und ist ein Modellprojekt der Bäcker-Innung, der Handwerkskammer Hannover, der BBS 2 Hannover und dem Bildungsbüro der Region Hannover.

“Wir haben viele motivierte junge Leute aus dem Ausland, die wir brauchen und die Lust auf unsere Berufe haben. Das Praktische funktioniert super, aber wenn es dann auf die Prüfungen und das Theoretische zugeht, verlieren wir leider viele von ihnen, weil die Sprachbarrieren zu hoch sind“, meint Oppenborn.

Seit Anfang August 2024 läuft das Projekt nun. Für 14 Auszubildende aus dem Bäckerhandwerk aus unterschiedlichen Betrieben ging es mit einem vorbereitenden fachlich ausgerichteten Sprachkurs los. Dafür wurden die Auszubildenden von den Betrieben freigestellt. Anfang September hat für alle Teilnehmenden der normale Alltag in Betrieb und Berufsschule begonnen. Seitdem nehmen die Auszubildenden an einem weiteren Tag in der Woche am Sprachförderunterricht am Lernort Schule teil, wofür die Betriebe ihre Azubis ebenfalls freistellen. Nach dem 1. Ausbildungsjahr wird ein erstes Fazit gezogen. „Mit einem Sprachtest wird dann wieder geprüft, ob sich das Sprachniveau verbessert hat und wir eine Schleife darum machen können. Sollte dies nicht der Fall sein, kann das Ausbildungsjahr wiederholt werden, also noch eine Schleife gedreht werden“, erläutert Oppenborn die Zweideutigkeit des Projektnamens.

Für weitere Informationen zu den Innovationsvorhaben Sprachbildung wenden Sie sich gerne an Dina de Haas, KAUSA-Landesstelle Niedersachsen Region Hannover, E-Mail-Adresse: d.dehaas@proregioev.de.

Pressemitteilung:

Ausbildung und Integration: KAUSA-Landesstelle Niedersachsen startet in neue Projektphase

Juni 2025

 

Die KAUSA-Landesstelle Niedersachsen setzt ihr Engagement für die Ausbildungsintegration junger Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte fort. Ziel ist es, ihre Chancen auf eine erfolgreiche Ausbildung zu verbessern und gleichzeitig die Ausbildungsbereitschaft und -fähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken.

Ab dem 1. Juli 2025 wird das Projekt im Rahmen der Bund-Land-Vereinbarung Bildungsketten durch das Bundesbildungsministerium weiter gefördert. Neben der bewährten fachlichen Begleitung durch das Niedersächsische Kultusministerium ist künftig auch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung – insbesondere der Bereich Arbeitsmarktpolitik – als Kooperations- und Finanzierungspartner eingebunden.

Schwerpunkt: Netzwerk, Wissenstransfer und Praxisbezug

In der neuen Projektphase liegt der Fokus auf dem Ausbau nachhaltiger Strukturen und der Weitergabe von Wissen und erprobten Instrumenten. Die KAUSA-Landesstelle entwickelt und sammelt auf Basis des kontinuierlichen Austauschs mit relevanten Akteur*innen im Themenfeld Migration und Ausbildung bedarfsorientierte Materialien und Instrumente. Ein Beispiel dafür ist das Materialpaket „Wege in den Beruf“, das praktische Hilfen für die Beratung und Information von Jugendlichen und ihren Eltern zum niedersächsischen Bildungssystem bietet.

Diese Instrumente werden kontinuierlich weiterentwickelt und in bestehenden Strukturen integriert. Mit der Transfer- und Netzwerkarbeit werden Multiplikator*innen – darunter Schulen, Kammern, Bildungsträger, Migrantenselbstorganisationen, Kommunen und Jugendberufsagenturen – gezielt unterstützt und bewährte Ansätze landesweit verfügbar gemacht.

Die aktuelle Ausbildungssituation in Niedersachsen unterstreicht den Handlungsbedarf.

Im Ausbildungsjahr 2024/2025 blieben laut Bundesagentur für Arbeit rund 4.600 Ausbildungsplätze unbesetzt. Gleichzeitig gelingt es nicht allen Jugendlichen, eine berufliche Ausbildung erfolgreich zu beginnen oder abzuschließen. Besonders junge Menschen mit Migrationsgeschichte sind hiervon betroffen – sie erreichen seltener einen Berufsabschluss als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund, wie der Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zum Berufsbildungsbericht 2024 zeigt.

Erfahrungen bündeln – landesweit zugänglich machen

Die KAUSA-Landesstelle Niedersachsen – ein Zusammenschluss der ehemaligen regionalen KAUSA-Servicestellen in Delmenhorst, der Region Hannover und Osnabrück – bündelt langjährige Erfahrung, etablierte regionale Netzwerke und erprobte Konzepte. Diese Ressourcen werden nun landesweit zur Verfügung gestellt.

Das Angebot der KAUSA-Landesstelle umfasst unter anderem:

  • Austausch bewährter Praxisbeispiele im Zuge landesweiter Transferarbeit,
  • Beratung entlang der gesamten Prozesskette – von der beruflichen Orientierung bis zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss,
  • Schulungen für Multiplikator*innen zu entwickelten Instrumenten,
  • digitale Netzwerktreffen zur Förderung des Austauschs.

 

Strukturen stärken

Zur nachhaltigen Förderung der Ausbildungsbeteiligung junger Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte setzt die KAUSA-Landesstelle auf enge Zusammenarbeit mit allgemein- und berufsbildenden Schulen, Kammern, Verbänden, Arbeitsagenturen, Jobcentern, Jugendberufsagenturen, Bildungsträgern sowie Migrantenselbstorganisationen.

 

Weitere Informationen: www.kausa-niedersachsen.de

 

Pressemitteilung des Niedersächsischen Kultusministerium vom 17. Juni 2025

 

Presse-Information der Evangelischen Akademie Loccum

 

Deniz Kurku, Niedersächsischer Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe, überreichte heute in der Evangelischen Akademie Loccum die Auszeichnung „Unternehmen mit Vielfalt in der Ausbildung“ an Laurentiu Popescu, den Inhaber der Manfred Kalin GmbH in Osnabrück.

Die Auszeichnung ist ein Projekt der KAUSA-Landesstelle Niedersachsen. Sie soll das Engagement von kleinen und mittleren Unternehmen bei ihren Bemühungen um Vielfalt und Integration von Migrantinnen und Migranten in der Ausbildung würdigen.

Kurku sagte bei Übergabe der Auszeichnung: „Nicht erst als Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe erlebe ich jeden Tag, wie vielfältig unsere Gesellschaft, unsere Kultur und Unternehmen sind – genau das ist es, was uns so bereichert und alle miteinander voranbringt!“

Laurentiu Popescu nahm die Auszeichnung hocherfreut entgegen und meinte: „Ich fühle mich wirklich sehr geehrt. Für mich ist die Integration von Migrantinnen und Migranten in mein Unternehmen nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sie ist auch ein Gewinn!“

Sein Osnabrücker Unternehmen für Trockenbau hatte sich aus unterschiedlichen Gründen für die Auszeichnung qualifiziert. 15 Auszubildende erhielten bislang einen Ausbildungsvertrag von Herrn Popescu. Die Auszubildenden haben mehrheitlich einen Migrationshintergrund mit Wurzeln in Polen, Rumänien, Russland, Syrien oder der Türkei.

Auch Herr Popescu selbst bringt als gebürtiger Rumäne seine eigene Migrationsgeschichte mit. Seit 1996 ist er bereits für das Unternehmen Manfred Kalin tätig. Zuerst als Helfer, dann als Vorarbeiter und Bauleiter. Im Sommer 2009 übernahm er schließlich die Unternehmensnachfolge.

Die Auszeichnung wurde im Rahmen einer Kooperationstagung von Evangelischer Akademie Loccum und der KAUSA-Landesstelle Niedersachsen überreicht. Auf der Tagung erörtern 100 Akteure des Berufsbildungssystems Handlungsoptionen, wie die Potentiale des dualen Ausbildungssystems diversitätsorientiert ausgebaut werden können. Die dreitägige Tagung unter dem Titel „Ausbildung mit Vielfalt!“ dauert noch bis zum 21. April fort.

Loccum, 20. April 2023

Ulf Jürgensen, Schulleiter der BBS Burgdorf, Region Hannover:

Frage: Wie orientiert sind die Schülerinnen und Schüler, die an die Berufseinstiegs- und Berufsfachschule kommen?

Ulf Jürgensen: Viele Jugendliche, die bei uns an die Schule kommen sind noch nicht beruflich orientiert, vor allem in der Berufseinstiegsschule aber auch in der Berufsfachschule. Besonders Neuzugewanderte stehen oft noch am Anfang der beruflichen Orientierung, waren nicht auf einer allgemeinbildenden Schule in Deutschland oder konnten von den Orientierungsangeboten noch nicht profitieren. Viele sind noch nicht ausbildungsreif.

Eine weitere berufliche Orientierung ist deshalb auch an der Berufseinstiegsschule und der Berufsfachschule notwendig.

Frage: Welche Angebote zur beruflichen Orientierung gibt es an der Schule?

Ulf Jürgensen: Die berufliche Orientierung an der Berufseinstiegsschule beinhaltet zwei zweiwöchige Praktika, Praxisprojekte z.B. in der Gastronomie und das Matching mit Unternehmen für erste Betriebskontakte, das wir einmal jährlich in Kooperation mit der KAUSA-Landesstelle organisieren.

Frage: Wie viele Jugendliche schaffen den Hauptschulabschluss nach dem Besuch der Berufseinstiegsschule?

Ulf Jürgensen: Auch wenn zahlreiche Jugendliche sehr interessiert und engagiert sind, schaffen am Ende nur ungefähr die Hälfte der Schüler*innen der Berufseinstiegsschule den Hauptschulabschluss. Leider gehen uns 10 % schon vorher verloren und kommen nicht mehr zur Schule. Weitere Abbrecher*innen kommen hinzu, wenn der Hauptschulabschluss voraussichtlich nicht geschafft wird.

Frage: Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Betrieben bei der beruflichen Orientierung?

Ulf Jürgensen: Grundsätzlich sind die Unternehmen offen, stellen sich auf die Zielgruppe ein und engagieren sich. Die Herausforderung ist eher, die Auszubildenden so zu unterstützen, dass sie die Prüfung schaffen.

Frage: Was brauchen die Jugendlichen mit Migrationsgeschichte aus Ihrer Sicht? Wofür brauchen wir eine Lösung?

Ulf Jürgensen: Die fehlende Ausbildungsreife bei vielen Jugendlichen ist eine Herausforderung. Besonders wichtig sind hier ausreichend pädagogische Fachkräfte und auch Schulsozialarbeit an den Berufsschulen.

Hilfreich wäre es außerdem, wenn die Unternehmen frühzeitig Ausbildungspaten*innen für Praktikant*innen und Auszubildende benennen, die die Jugendlichen schon im Praktikum „mitnehmen“ und während der Ausbildung als vertraute Ansprechpartner*innen unterstützen. Außerdem wäre ein Nachteilsausgleich in den Prüfungen wichtig für die Jugendlichen mit Migrationsgeschichte. Helfen würde auch eine Übersicht über die Beratungs- und Unterstützungsangebote. Wir benötigen zudem multiprofessionelle Teams an allen BBS, um die Lehrkräfte von Verwaltungsaufgaben zu entlasten.

„Drei Fragen an …“ Katrin Stumpenhausen zu aktuellen Problemen der dualen Berufsausbildung. Frau Stumpenhausen ist Abteilungsleiterin für Arbeitsmarkt, Bildung, Integration und Gesellschaftspolitik der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V. (UVN). Sie stellte sich unseren Fragen am 21.04.2023 am Rande dieser Tagung.

„Drei Fragen an …“ Dirk Werner zur Fachkräftedebatte und den Herausforderungen, Berufsausbildung diversitätsfester zu machen. Dirk Werner ist Leiter des Themenclusters Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte am Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Er stellte sich unseren Fragen am 19.04.2023 am Rande dieser Tagung.

Unter dem Motto Ausbildung mit Vielfalt fand vom 19. bis 21. April 2023 unsere KAUSA-Fachtagung in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Loccum statt.

Über 100 Teilnehmende aus ganz Deutschland diskutierten, wie die Potenziale der dualen Berufsausbildung diversitätsorientiert ausgebaut werden können:

  • Welche Chancen und Potenziale sehen Unternehmen und wie unterstützen sie die Auszubildenden?
  • Wie kann die berufliche Orientierung für Jugendliche und ihre Eltern erfolgreich und diversitätssensibel umgesetzt werden?
  • Wie gelingen die Sprachbildung und soziale Förderung der Jugendlichen vor und auch während der Ausbildung?
  • Wie können die Prüfungen so gestaltet werden, dass sie den hohen Qualitätsstandards im Ausbildungssystem entsprechen und trotzdem keine sprachlichen Hürden bestehen?

Beteiligt waren Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen mit ihren Auszubildenden, Migrantenselbstorganisationen, Berufsschulen, Kammern, Politik und Verwaltung, Forschung und Verbänden.

Im Rahmen der Tagung wurde Laurentiu Popescu und seinem Team die Auszeichnung der KAUSA-Landesstelle „Unternehmen mit Vielfalt in der Ausbildung“ überreicht. Wir freuen uns sehr, dass wir für die Laudatio Deniz Kurku gewinnen konnten, Landesbeauftragter für Migration und Teilhabe der Niedersächsischen Landesregierung (siehe dazu den Bericht weiter unten auf der Webseite).

Herzlichen Dank an alle beteiligten Expertinnen und Experten für die Mitgestaltung und Bereicherung der Tagung und an allen Teilnehmenden für ihre Beteiligung. Wir konnten viele Anregungen und Ideen mitnehmen und unser niedersachsenweites Netzwerk ausbauen.